Zur Ausrede des Monats hat die Berliner Zeitung (Ausgabe vom 6. Juli 2009) Justizsenatorin von der Aue beglückwünscht. Von der Aue hatte die Randale im U-Haft-Bereich der Jugendstrafanstalt Lichtenrade vom Wochenende nicht zuletzt mit der warmen Witterung zu erklären versucht. „Mag sein, dass die warme Luft ein Auslöser für die kollektive Zerstörungsorgie Jugendlicher war. Die von der Aue´sche Theorie hat den Vorteil, dass nur der liebe Gott oder der Klimawandel oder vielleicht Jörg Kachelmann Schuld sind“, heißt es dazu wörtlich. Der eigentliche Grund, nämlich die explosive Situation in den Berliner Gefängnissen, für deren Entschärfung der Senat aber zuständig sei, bliebe außen vor.
„Wir sind froh, dass kein Kollege verletzt wurde, das hätte auch ganz schnell anders ausgehen können“, kommentierte der Landesvorsitzende des BSBD Berlin, Thomas Goiny, das Geschehen. Fast zweieinhalb Stunden hatten die Bediensteten und die zusätzlich zur Hilfe geeilte Polizei benötigt, um die Lage zu beruhigen. 15 Inhaftierte wurden gegen Mitternacht in die Hauptanstalt der JSA verlegt, 15 Fensterscheiben zerstört und zwei Hafträume angezündet.
„Der Vorgang zeigt, dass wir in den Haftanstalten in einer trügerischen Ruhe leben, die den Kolleginnen und Kollegen ständig hohe Aufmerksamkeit und viel Fingerspitzengefühl gegenüber den Inhaftierten abverlangt. Wir fordern den Senat auf, im Rahmen der Haushaltsberatungen endlich tätig zu werden und zusätzliche Stellen in allen Fachbereichen des Justizvollzugs für die nächsten Jahre zu bewilligen. Gleichzeitig muss der Einstellungskorridor voll ausgeschöpft werden. Die zwei Einstellungslehrgänge, die im Herbst beginnen sollten und von Seiten der Senatsverwaltung gestoppt wurden, sind umgehend durchzuführen“, forderte Goiny.
Der Rechtsausschuss hat seine Sondersitzung zum Thema „Personalsituation in Haftanstalten“ auf den 9. Juli 2009, 8.00 Uhr, verschoben.