Das Hauptproblem des Justizvollzuges ist der gravierende Personalmangel

21.08.2009

In dieser Woche sendete das ARD Morgenmagazin unter dem Motto „Eingesperrt – Ein Leben im Gefängnis“, aus verschiedenen Haftanstalten in Deutschland, um über den Alltag hinter Gittern zu berichten. Etwas Besonderes für den Justizvollzug in Berlin. So wurde am Montag, den 17. August 2009 live aus der JVA Tegel berichtet.

Im Eingangsbericht wurde zurecht darauf hingewiesen, dass die Presse umfangreich über Taten und die Täter berichtet, aber sobald sich die Gefängnistüren geschlossen haben, niemand mehr Notiz von den Inhaftierten nimmt.

Dies gilt aber auch für die fast 3000 Beschäftigten im Berliner Justizvollzug. Nur bei besonderen Vorkommnissen, wie bei der Flucht aus der JVA für Frauen Anfang August, ist das Medienecho groß.

„Wir haben leider sehr selten die Möglichkeit, über den harten Job im Justizvollzug zu berichten und dazu auch viel zu selten in positiver Form. Es wurde zwar auf die vielfältigen Arbeitsbetriebe und auf den Arbeitsablauf der Inhaftierten hingewiesen, ein Hinweis, dass das alles nur durch die gute Arbeit der Kolleginnen und Kollegen möglich ist, fehlte leider völlig“, äußerte sich der Landesvorsitzende des BSBD Berlin, Thomas Goiny.

Ein ehemaliger Inhaftierter berichtet im Interview, dass seine Chancen in der Vorbereitung zur Haftentlassung größer gewesen wären, wenn es mehr Personal geben würde. So äußerte der ehemalige Inhaftierte, dass viele Bediensteten sehr bemüht sind, aber aufgrund des Personalmangels viele Termine und Gespräche nicht möglich waren. „Es wird am Personal gespart und das auf unsere Kosten“, so der ehemalige Inhaftierte.

Aus Sicht des BSBD Berlin ist es äußerst bedenklich, dass ein ehemaliger Inhaftierter sich im Interview bundesweit über die vergebenen Chancen zur Resozialisierung äußert. „Bereits 2007 hatte ein von der Senatsverwaltung für Justiz in Auftrag gegebenes Gutachten durch die Firma Kienbaum ergeben, dass nur noch 6 – 10 Prozent der Tätigkeiten der Vollzugsbeamten/innen in der Betreuung der Inhaftierten liegen“, kritisierte Goiny weiter.

„Wir danken den Kolleginnen und Kollegen, die diesen Bericht möglich gemacht haben. Besonders deshalb, weil durch den ständigen Personalmangel in allen Bereichen der Berliner Haftanstalten zusätzliche Aufgaben kaum noch möglich sind“, sagte Goiny abschließend.

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